Die Brief-Post hat keine Kunden. Das sieht sie als ein Dilemma an, das nicht leicht zu beseitigen ist.

Ich persönlich sehe mich durchaus als Postkunden. Ich gehe ins Postamt, stelle mich in die Schlange, lasse mich am Schalter bedienen und bekomme fast jeden Tag Besuch von einem Briefträger. Aus der Sicht der Post verbinden sich diese Punkte leider nicht. Aus der Post-Sicht gibt es nur jeweils einen Brief mit einem Ziel und einem Ausgangspunkt. Der Ausgangspunkt ist der Briefkasten, und das Ziel ist mit einer Liefer-Tour ausreichend beschrieben, um damit arbeiten zu können. Ich als Absender spiele bestenfalls eine Rolle, wenns schief geht.

Vor allem weiß die Post nicht, dass ich letzte Woche schon zwei Briefe aufgegeben habe, sowie drei Versandstücke als Päckchen. Sie könnte auch nicht sagen, welche und wie viele Briefe ich im Laufe der Zeit bekomme und wann ich ihren Service besonders intensiv nutze. In diesem Status Quo vermisse ich persönlich eigentlich nichts, außer vielleicht einen besseren Service. Dahingehend bin ich vom E-Commerce inzwischen verwöhnt.

Die Post hingegen lebt davon, gerade nicht elektronisch, sondern dinglich zuzustellen. Diese Art von Geschäft hat ein großes Problem bei der digitalen Transformation, denn wichtige Daten werden nicht erhoben. Die Digitale Transformation wiederum ist die Voraussetzung für die Art eines Service-Angebots, wie wir es inzwischen aus dem Internet von anderen Stellen gewöhnt sind. Weil diese Service-Philisophie vermutlich auch dem Geschäft der Post zuträglich wäre, wird die Post dieses Dilemma irgendwie auflösen.

Erst dann wird bei mir vermutlich ein Gefühl dafür enstehen, wie gut es früher tat, mal kein Kunde zu sein.